Pferdeleben – lebenswert?
 
  Bei der Diskussion um den letzten Weg eines Pferdes wird oft vergessen, dass der Tod wenige Sekunden dauert, aber das Pferdeleben Jahrzehnte währt. Was wir unseren Pferden in dieser Zeit zumuten, ist vielfach schlimmer als der grausamste Tod. Noch heute dämmern Pferde in engen Boxen vor sich hin, werden mit Kraftfutter voll gestopft und krank gefüttert. Soziale Wesen wie Pferde werden eingesperrt, hinter Gittern gehalten und jeden Eigenlebens beraubt. Sie werden geschoren, eingedeckt, stundenlang geputzt, besalbt und mit angeblicher Liebe traktiert. Jeder darf ihnen ins Kreuz krachen, sie mit Metall im empfindlichen Maul reißen, sie mit Gerten antreiben und ihnen Sporen in den Leib bohren. Die angeblichen Pferdeliebhaber behaupten, man müsse nur „hart durchgreifen“, „sich durchsetzen“, „ihm zeigen, wo‘s lang geht“, wenn ihr Pferd nicht spurt. Sie verstehen das Wesen des Pferdes nicht und benützen es als Sportgerät und als Beziehungsersatz.

PGHilfePferd appelliert an alle Pferdehalter und Reiter/innen sich bewusst zu machen:

Ein Pferd ist ein Lauftier
. Um gesund zu bleiben, muss es sich bewegen. Nicht nur unter dem Sattel, nicht nur stundenweise auf Koppel und Paddock, sondern 24 Stunden lang, frei und selbstbestimmt. Dabei ist nicht die Größe des Stalls, des Auslaufs oder der Weide entscheidend, sondern dass sich das Pferd zu jeder Tages- und Nachtzeit bewegen, hinlegen, wälzen kann. Licht, Nacht, Luft, Wind, Regen, Sonne, Schnee sind Sinnesreize, die Leib und Seele des Pferdes stärken. Durch freie Bewegung bleiben Pferde länger gesund, Beine laufen nicht an, Steifigkeit und Artrosen werden verhindert oder gelindert, Stoffwechselfunktionen werden angeregt, der Hormonspiegel kommt ins Lot, Hufe behalten ihre Funktion, Sehnen werden stark und Bänder bleiben elastisch, Muskeln bauen sich quasi von selbst auf, Kondition bleibt erhalten, Atemwege bleiben frei, Rücken entspannen sich – alles Vorteile einer Laufhaltung, die nicht nur dem Pferd zu Gute kommen, sondern auch dem Reiter!

 
  Ein Pferd ist ein Gruppentier. Es braucht Sozialkontakt zu anderen Pferden. Stundenweiser Koppelgang (ohne Rücksicht auf Vorlieben der Tiere, sondern mit Pferden, deren Menschen sich verstehen) und der Kontakt zum Menschen sind niemals ein Ersatz für eine Tiergruppe. In einer Gruppe findet das Tier Geborgenheit, Sicherheit, Körperkontakt. Es lernt sich unterzuordnen, lernt sich anzupassen, lernt soziales Miteinander. Das kommt nicht nur seiner Psyche zu Gute, sondern auch dem Reiter. Ein seelisch ausgeglichenes Pferd ist körperlich gesünder und kann sich viel leichter auf den Reiter einlassen, kampfloser mit ihm umgehen und sich ihm anpassen.

Ein Pferd ist ein Steppentier. Aufgrund seiner Herkunft ist das Pferd auf mageres Futter ausgelegt. Heu und Stroh reichen völlig aus für ein gesundes Pferd, das keine schwere Arbeit leisten muss. Schwere Arbeit sind echte sportliche Leistungen (Spitzensport), sind Wanderritte, Distanzritte oder Fahrleistungen. Für ein gesundes Tier ist es keine schwere Arbeit, den Reiter eine Stunde täglich durch den Wald zu tragen oder einfache Dressurfiguren in der Halle zu drehen. Wer sein Pferd 23 Stunden in der Box stehen lässt und dann eine Stunde reitet, es dafür aber mit Hafer, Pellets, Müsli, Brot, Mais und sonstigem Unsinn voll stopft, begeht ein Verbrechen an der Gesundheit des Tieres und ist mit Schuld an Koliken, Hufrehe, Stoffwechselstörungen und sonstigen Krankheiten. Übrigens: das Pferd ist darauf ausgelegt, den ganzen Tag auf Futtersuche zu sein. Deshalb ist es völlig unsinnig, am Raufutter zu sparen oder es so zu geben, dass das Pferd, beispielsweise nachts, mehr als 12 Stunden nichts zu fressen (und dabei nichts zu tun!) hat.

Ein Boxenpferd, das Kraftfutter bekommt und täglich eine Stunde bewegt wird, ist zu vergleichen mit einem Menschen in Einzelhaft, der ernährt wird wie ein Spitzensportler, aber nur eine Stunde Hofgang hat. Schäden an Leib und Seele sind vorprogrammiert – das hat nichts mit Liebe zu tun!

… Boxenpferde wiehern ihren Besitzern freudig entgegen - so wie der Häftling sich über den Gefängniswärter mit dem Zellenschlüssel freut